Klettern – ob mit Schuh oder ohne! – Orpierre 2017

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von Lionel Butry

Duisburg, 18 Uhr. Eine Menschenansammlung von zwölf Personen trifft sich vor einem Kleinbus und einem Pkw. Es werden Taschen und Rucksäcke in den Autos verstaut. Nur zwölf Stunden später befindet sich die Jugendgruppe in Orpierre – einem Kletterhotspot in Südfrankreich.

Wir parken also vor den geschlossen Schranken des Campingplatzes. Um die Zeit bis zur Öffnung der Rezeption zu überbrücken, beschließen wir im Auto zu schlafen. Sind ja nur vier Stunden. Durch die Besitzerin des Campingplatzes erfahren wir, dass wir erst in weiteren vier Stunden in unsere Ferienwohnung einziehen können. Da wir alle ausgehungert sind, breiten wir uns auf einer Wiese aus und Frühstücken dort. Seile und Rucksäcke sind bequemer als man denkt. Man muss sie nur richtig einsetzten.

Mit vollem Magen gehen wir direkt an den Fels. Die ersten Klettererfahrungen der Jüngeren am Naturstein sind von knallender Sonne und heißen Wänden geprägt. Am Nachmittag kehren wir mit rotem Nacken (oder auch Kniekehlen) zum Campingplatz zurück. Zu unserer Freude haben wir sogar einen Herd mit vier(!) Kochfeldern. Nach dem Essen stellt sich wie immer die eine Frage: Wer spült? Da helfen auch Ausreden wie: „Vom Spüli bekomme ich immer Gänsehaut“ nicht.

Am nächsten Tag fliegt uns ein sehr besonderer SCHMETTERLING am Frühstückstisch vorbei. Er sieht wirklich sehr besonders aus. Er kommt sogar bei jedem Essen vorbei. Den restliche Tag verbringen wir wieder am Fels und der Abend klingt mit einem ersehnten Abendessen und Werwolf aus. Diskussionen vorprogrammiert.

Während wir am folgenden Tag klettern, überrascht uns ein Regenschauer mitten in der 6b+. Doch das hält uns nicht vom Klettern ab. Der Campingpatz hat einen Boulderraum!

Trotz des einmaligen Schauers ist uns das Wetter wohl auf. Die vorherigen und restlichen Tage sind so warm, dass Alex ihren Regenschirm zum Sonnenschirm umfunktionieren muss. Was die Franzosen wohl dachten? Eine Horde von Jugendlichen, die sich unter einem Schirm drängt, ständig in ein Funkgerät brüllt um sich mit anderen aus ihrer Gruppe zu unterhalten, welche zehn Meter weiter unter einem Gestrüpp sitzen.

Doch dann kam der Tag auf den alle gewartet haben. Die Mehrseillängentouren stehen an. Zusammengefasst: Fünf Seilschaften starten, drei erreichen den Gipfel. Eine Seilschaft muss wegen Routenüberfüllung abbrechen, die Andere aufgrund von „Kreislaufproblemen“. Doch die erfolgreichen Kletterer hatten auch ihre Probleme. Am 5. Stand passiert es – einer der Jüngeren verliert auf ungeklärte Weise einen seiner Kletterschuhe. Gut das die letzten drei Seillängen die Schwersten sind. Die nächsten Zwei werden mit Mühe und Not und viel ziehen von Seiten Jespers geschafft. Um die verausgabten Nachsteiger der Dreierseilschaft die letzten 35m hinauf zu bekommen, müssen die Jugendleiter einen Schweizer Flaschenzug aufbauen. Zum Glück haben wir das irgendwann mal gelernt. Drei Blasen und 35m später haben alle den Gipfel erreicht. Ein Trost bleibt – die Franzosen neben uns haben auch einen Schuh verloren.

Einen Tag später konnten auch unsere Routenabbrecher ihre Mehrseillängentour erfolgreich zu Ende bringen. Der Rest der Truppe lässt die Woche im einzigen Schattensektor mit angrenzendem Wasserfall ausklingen. Der Rückweg zum Campingplatz bewies: Die Fallquote von einem unserer jungen Klettertalente beim Zu -und Abstieg beträgt zwölf von zwölf. Der letzte halbe Tag vergeht wie im Flug und wir befinden uns schon wieder auf dem Rückweg.

Fazit: Ein voller Erfolg, nur können wir die Beatles nicht mehr hören, ohne an die Toilette zu denken.

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